Er führt mich einen langen Gang hindurch in ein Zimmer.
"Setz dich dorthin", erklärt er und zeigt dabei auf einen winzigen kargen Holzschemel, der vor einem großen, bequemen Polstersessel steht. "Herrin Rubina wird gleich kommen." Mit diesen Worten lässt er mich in dem Raum allein.
Ich schaue mich um.
Mein Blick bleibt hängen an dem riesigen Andreaskreuz aus schwarzem Holz, das mitten im Raum steht. Die oberen Enden sind jeweils geschmückt mit einer roten Rose. Ich weiß, Domina Rubina mag rot, rubinrot ebenso sehr wie schwarz, und sie liebt Rosen. Deshalb habe ich ihr auch rote Rosen mitgebracht, die ich nun vorsichtig auf dem Sessel ablege, der ganz bestimmt ihr Platz ist.
Ich sehe, es hängen von den Enden der Holzverstrebungen am Andreaskreuz Ketten herab. Neben dem Kreuz steht eine Art lederbezogener Bock, ein Strafbock.
Ganz leise und ganz heimlich – vielleicht beobachtet sie mich durch ein Loch in der Wand? – verlasse ich den Platz, auf den der andere Sklave mich in ihrem Namen befohlen hat. Ich weiß, es ist ein Ungehorsam, der mich teuer zu stehen kommen kann, doch ich kann nicht anders. Ich muss das Holz des Kreuzes berühren, das Metall der Ketten und das Leder des Bocks.
Erst das macht es mir deutlich, ich träume nicht, sondern mein Traum ist Wirklichkeit geworden. Ich bin in Herrin Rubinas SM Studio.
An der Wand gegenüber entdecke ich, als ich mich umdrehe, um zu meinem Holzschemel zurückzukehren, viele Gegenstände, die in mir Erwartung, Gier und Furcht gleichzeitig wecken. Halsbänder, Klammern, Peitschen, Reitgerten, Rohrstöcke, alle aufgehängt wie Schaustücke. Lustvolle, furchterregende Schaustücke. Sie steigern mein Lampenfieber ins Unendliche.
Am liebsten möchte ich auch diese SM Werkzeuge alle berühren, aber das wage ich nun doch nicht.
Schnell eile ich zurück und hocke mich wieder auf meinen Schemel.
Gerade noch rechtzeitig, denn nun höre ich Schritte, ich höre das Klacken ihrer High Heels auf Steinfliesen.
Gleich wird sich die Tür öffnen, und ich werde sie sehen. Ich möchte jubeln, und gleichzeitig erfasst mich eine Angst, wie ich sie nie zuvor gekannt habe.
Was wird mich wohl erwarten, während der nächsten ein, zwei, drei Stunden? |